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Die Erkrankten, die Verstorbenen, die Geheilten – Corona-Post 4

Heute widme ich mich neuen Entwicklungen. Darunter die aufflammende Wichtigkeit von Passiv-Impfungen, die Bewertung von Mund-Nasen-Schutz, der Nachverfolgung von Kontakten zu Infizierten per App und der steigenden Hoffnung auf Malaria-Mittel.
Zunächst ein Update: Knapp 96.092 Infizierte gesamt (Stand 05. April / 9:54 Uhr).
Damit ist Deutschland im Ranking auf Platz 4 (hinter USA, Spanien und Italien). Doch über die Zeit verliert die totale Zahl an Gewicht. Diese Gesamtzahl seit Beginn der Epidemie in Deutschland ist (vorsichtigen Schätzungen zufolge, weil offiziell werden gesundete Menschen nicht erfasst) inzwischen 26.400 Genesene gegenüberzustellen – und 1.444 Verstorbene (55 davon unter 60 Jahre; Durchschnittsalter 80 Jahre).
Der aktuelle Infektionsstand von 68.248 (und die damit verbundene Inanspruchnahme medizinischer Hilfe) als auch die Geschwindigkeit der Steigerung werden immer wichtiger. In Österreich ist seit gestern die vermutete Genesenenzahl erstmals höher, als der der aktuell bestätigten Infizierten.
Der Zeitraum, in dem sich die Infiziertenzahl verdoppelt ist entscheidend für Prognosen. Die lag bei uns zu Anfang bei 2,5 Tagen und wurde mit Stand Anfang dieser Woche auf 5 Tage ausgedehnt. Aktuell stehen wir laut Statistik bei 11 Tagen.
Die exponentielle Steigerung flacht seit 7 Tagen konstant ab. Im Moment steckt im Schnitt jeder Infizierte nur noch 1 weitere Person an. Das heißt, die Infiziertenrate steigt nicht mehr exponentiell, sondern linear, und das ist sehr gut. Ohne Gegenmaßnahmen gehen ca. 3 Personen auf jeden Infizierten zurück.
Daher kann man die Maßnahmen der Regierungen und die einschneidenden Beschränkungen uns aller bereits durchaus als gelungen ansehen. Man hätte noch schärfer einsteigen oder erweitern können. Doch man ist vorsichtig optimistisch, dass der eingeschlagene Weg der am besten vertretbare ist.
Aber ist es noch kein Grund gleich über Exit-Strategien und Zeitpläne öffentlich zu diskutieren, wie es nun unter anderem die FDP massiv fordert. Das schürt nur falsche Hoffnungen. Treibt es denn die kommenden zwei Wochen die Leute wieder vermehrt nach draußen, bei dem schönen Ferienwetter, bekommt man die Quittung wieder erst über eine Woche später mit steigenden Zahlen.
Aber was soll man auch als Oppositionspartei machen, um noch Gehör und das Interesse der Presse zu finden? Man muss sich mit aller Gewalt profilieren. Gegen die (zunächst uneinigen) Stimmen der Regierungsparteien sprechen und bloß keine Geschlossenheit der gewählten Volksvertreter in der größten Krise der Nachkriegszeit aufkommen lassen. Zunder in die unterschiedlichen Meinungen und damit verbundene Unsicherheit der Bevölkerung geben. Wem soll man denn nun in höchster Not trauen? Wirtschaft- und Finanzexperten melden sich dann auch noch zu Wort und stellen verschiedene Ultimate „Wenn die Beschränkungen nicht nach vier Wochen enden, dann …“.
Ja, der Mensch braucht eine Perspektive. Und man darf ja gern überlegen und anhand der aktuellen Zahlen spekulieren. Aber wenn jetzt dieser und jener Politiker Forderungen und Ideen in die Öffentlichkeit schleudert, dann zieht er aktuell am falschen Strang.
Die AFD geht einen anderen Weg, sich in den Corona bestimmten Nachrichten einen Platz zu sichern. Zum wichtigsten Thema haben sie gar nichts zu sagen, Halten sie sich vornehm zurück? Hatten sie die Monate davor doch ständig die Klappe offen, ohne wirklich was gesagt zu haben. Oder interessiert es die Menschen im Moment einfach weniger, was die provokanten Hassschmiede zu verlautbaren haben? Die einzigen, raren Tweets, die ich finden konnte wiederholen bereits in Arbeit befindliche Maßnahmen, bzw. formulieren sie um und bringen sie in einen etwas anderen Kontext. Dann kreieren sie halt einen internen Streit über ihre eigene Zukunft, nachdem Teile von ihnen unter die Lupe des Verfassungsschutzes gerieten. AFD mit einverleibtem Flügel oder ohne? Stattdessen eine erneute Parteispaltung vielleicht? Was für ein Krimi.
Ah, da stach mir doch noch ein Tweet ins Auge: Ein Kommentar zu der Ausnahmeregelung zur Einreise von 40.000 Erntehelfern aus dem Ausland eines AfD-Politikers lautet, dass dies zu spät und nicht umfangreich genug ist. Bei Spargel hört die ausländerfeindliche und Anti-EU-Gesinnung auf XD.

Sehen wir uns an, was genau in diesem Moment wichtig ist. Worauf es ankommt und was die Regierungspolitik in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft (in allgemeiner Vertretung das Robert-Koch-Institut) verfolgt.

1. Verlangsamung der Ausbreitung (#flattenthecurve), damit das Gesundheitssystem nicht mit einer Schwemme an behandlungsbedürftigen Infizierten überfordert wird. Dazu gehört es, Erkrankte frühzeitig zu erkennen und in einer Quarantäne zu isolieren, damit sie keine weitere Personen mehr anstecken können. Hierfür wird weiter massiv getestet und Kontaktpersonen nach positivem Ergebnis ermittelt, um auch diese zu isolieren und zu testen. Auch die Verwendung technischer Möglichkeiten, wie die Verwendung einer App spielt hier eine wichtige Rolle. Aber dazu später mehr.
2. Erhöhung der Kapazitäten an Tests und an Behandlungsplätzen (Krankenhaus- und Intensivbetten). Derzeit dauert die intensivmedizinische Betreuung einer schwerkranken Person ca. zwei Wochen, ehe sie wieder entlassen werden kann und der Behandlungsplatz für die nächste frei wird. Aktuell sind die vorhandenen Plätze bis zu 60% ausgelastet.
3. Das Schützen von besonders gefährdeter Gruppen, also insbesondere Senioren, und Personen mit Vorerkrankungen, wie einem geschwächten Immunsystem oder Herz-Kreislauf Erkrankungen. Dazu werden insbesondere Alten- und Pflegeheime per forma isoliert, damit der Virus nicht in ihre Nähe gelangt.
Wir alle tragen durch unseren Verzicht bei, die erste Strategie nicht scheitern zu lassen. Sie ist grundsätzlich die wichtigste. Ohne sie, würden auch die anderen beiden einstürzen. Die Welle würde uns überrollen und wir könnten sie nicht mehr aufhalten. Millionen von Menschenleben stehen auf dem Spiel. Selbst solche, die nicht mal etwas mit diesem Virus zu tun haben. Sind nämlich alle Intensivbetten und durch COVID-Patienten belegt, bleibt kein Platz mehr für einen Herz- oder Schlaganfall. Auch das medizinische Personal würde sich noch verheerender selbst infizieren als ohnehin schon. (Das RKI sagt zwar, dass infiziertes Personal nicht weiter an Patienten arbeiten dürfte. Die Realität sieht aber anders aus. Damit der Versorgungsbetrieb weiter aufrechterhalten bleiben konnte, wurde bisher Krankenhauspersonal bewusst nicht getestet. Inzwischen ist die Anordnung da, dass auch hier Tests durchgeführt werden müssen.) Es stünden keine OP-Ärzte mehr zur Verfügung für Notoperationen nach einen Unfall. Das ist eine Kettenreaktion, die nicht mehr zu stoppen wäre. Wie sehen dies ganz deutlich in Norditalien und New York. Die einen hatten kaum eine Vorlaufzeit um zu handeln, die anderen haben unverantwortungslos zu spät gehandelt und wertvolle Zeit verstreichen lassen.
Unsere lokalen Gesundheitsämter und Länderministerien arbeiten unter Volldruck daran, das Virus in seiner Verbreitung einzuholen. Die Verordnungen der Länderregierungen verschaffen ihnen wertvolle Zeit hierzu. Die letzten Wochen liefen sie nur hinterher. Doch langsam gelingt es ihnen wieder, Infektionsketten nachverfolgen und brechen zu können. Und das ist eine Phase, die es gilt, weiter aufrecht zu erhalten.
Wir werden das Virus nicht im Keim ersticken können, selbst mit deutlich drastischeren Maßnahmen würde es binnen Tage nach Lockerung wieder aufflammen. Wir werden die Verbreitung des Virus nicht aufhalten können, solange noch kein Impfstoff verfügbar ist. Und um die oft angesprochene Herdenimmunität zu erreichen, müssten erstmal bis zu 70% der Bevölkerung infiziert gewesen sein. Würde man allein diesen Weg beschreiten wollen, würde es (saisonale Unterschiede und andere Faktoren außer Acht gelassen) zwischen ein bis zwei Jahren dauern, bis genügend Leute natürlich immunisiert wurden. Ein bis zwei Jahre weiter in diesem aktuellen Zustand der Gesellschaft, im partiellen Lockdown. Es leuchtet jedem ein, dass das nicht möglich sein wird. Unser System würde unweigerlich Zusammenbrechen. Von den toten Menschen auf dem Weg ins Chaos und darüber hinaus gar nicht erst zu reden.
Eine dritte Möglichkeit der Immunität tut sich aber mit fortschreitender Zeit auf: Die Passiv-Immunsieriung. Bei einer normalen Impfung, der sogenannten Aktiv-Impfung, wird dem Körper eine abgeschwächte Form des Virus injiziert, gegen das das gesunde Immunsystem Antikörper entwickelt. Die Infizierung mit dem echten Virus führt dann zu keinem Ausbruch der Krankheit, weil der Körper schon weiß, wie er damit umzugehen hat. Ein solcher Aktiv-Impfstoff ist aber nicht vor Ende dieses Jahres zu erwarten. Bei der Passiv-Impfung kommt nun die ansteigende Zahl der Genesenen ins Spiel. Sie haben die Krankheit überstanden und haben die Antikörper in sich. Durch Blutspenden kann man ihr Blutserum anderen noch nicht infizierten Personen (oder sogar bereits Infizierten) verabreichen, die dann bei einer Infektion die Bekämpfung übernehmen. Wieviel Blut zur Passiv-Impfung erforderlich ist, ist noch nicht genau untersucht. Einzelne Beispiele in Norditalien und Beobachtungen in China erforderten bisher ca. einen halben Liter Blut. Würde man das auf unsere 26.000 Genesenen hochrechnen, die einen halben Liter alle zwei Monate abgeben dürften, könnte man innerhalb dieser zwei Monate weitere 26.000 Menschen passiv impfen. Doch selbst wenn die 26.000 nicht nur eine geschätzte Zahl ist (man nimmt zwei Wochen nach positiver Testung einfach an, dass die Person genesen ist), müssten diese Personen erst mal zur Blutspende gebracht werden. Und wenn man sieht, wie niedrig die Teilnahme an Blutspenden schon vor der Krise immer war (5% der Bevölkerung), dann darf man seine Hoffnung hier auf eine flächendeckende Immunisierung begraben. Die Blutspenden, die tatsächlich getätigt werden, würden diesenfalls zuerst an die Risikogruppen gehen.
An dieser Stelle ein Aufruf: Ob ihr nun genesen seid oder nicht, geht Blut spenden! Auch wenn ihr keine Antikörper in euch habt, euer Blut rettet dennoch Leben. Nicht das eines COVID-Patienten, aber das anderer Menschen.
Ein weiterer Weg, den man Hinblick auf die Bekämpfung nach Infektion geht, ist das Beschaffen von bestimmten Malaria-Mitteln, deren Inhaltsstoffe bislang als sehr vielversprechend gelten. Dazu wird auch im Inland gerade deren Produktion vorangetrieben. Würde sich dieses Mittel tatsächlich in der Masse als geeignetes Therapiemittel herausstellen, dann wäre wertvolle Zeit bis zur Verteilung eines Impfstoffs gewonnen, was nicht nur die Todeszahlen verringern würde, sondern auch die Krankheitsverläufe weniger schwer verlaufen lassen könnte, was wiederum zu weniger Intensivbehandlungen führen würde und das Gesundheitssystem zusätzlich entlastet.
Wie funktioniert nun diese Stopp-Corona-App, die in Zusammenarbeit zwischen RKI und dem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde und aktuell in Erprobung ist? Abschließende Details sind noch nicht bekannt, geplant ist es aber offenbar so: Wird eine Person positiv getestet, wird dies wie sonst auch dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet. Hatte die Person die App installiert, löst das Amt (anstatt beim Infizierten alle Kontakte der letzten Tage zu erfragen, um deren Telefonnummer zu ermitteln und diese anzurufen) innerhalb der App eine Benachrichtigung an alle aus, die ebenfalls diese App installiert haben und sich in einem bestimmten Zeitfenster in der Nähe der Person befanden. Den Personenkreis ermittelt die App über die Bluetoothreichweite des Gerätes zum nächsten. Die Benachrichtigten sollen nun Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufnehmen. Das geschieht anonymisiert, ohne Zeit-, Ortsdaten oder den Namen preiszugeben. Natürlich gibt es auch hier wieder Reichsbedenkenträger, die hier den Rechtsstaat bedroht sehen. Datenschutzrechtlich scheint zumindest alles in trockenen Tüchern zu sein. Andere sehen wenig Sinn an dieser freiwilligen Form. Sicher auch zurecht. Immerhin muss die App flächendeckend Akzeptanz finden. Arbeiten in einer Firma 20 Leute, 19 haben die App installiert aber der eine Positive nicht, dann bekommen die anderen 19 auch keine Nachricht. Andersherum müsste man das Ergebnis ohnehin mit den Angaben des Infizierten abgleichen, dann aber nur noch die Daten der fehlenden Person wie bisher erheben. Die Kontaktdaten innerhalb einer Firma lassen sich vielleicht noch einfach ermitteln, in einer U-Bahn wird das eher unmöglich werden, wo ganz klar solch eine App punkten könnte.
Zum Thema Mund-Nasen-Schutz. Ist er nun hilfreich oder nicht? Die klare Aussage (ja, verschiedene Pressevertreter – allen voran natürlich wieder ein Boulevardblatt dessen Name ich nicht nennen werde – versuchten in den letzten Tagen die wiederholten Aussagen des RKI verschieden zu interpretieren, was zu generierten Unklarheiten führte) lautet:
Nur FFP-Masken schützen sicher vor Ansteckung. Diese sollen aber ausschließlich medizinischen Personal vorbehalten bleiben, auch aufgrund des akuten Materialmangels.
Medizinischer Mund-Nasen-Schutz, als auch selbstgenähte Varianten als auch Behelfsmasken aus Schal oder Halstuch schützen NICHT vor einer Ansteckung. Sie reduzieren ausschließlich den Auswurf einer infizierten Person und wird für diese Personen empfohlen. Nichtsdestotrotz darf diese Empfehlung nicht in den falschen Hals geraten: Das heißt nicht, dass wenn ich weiß, dass ich infiziert bin, dann habe ich zu Hause zu bleiben und mich in Quarantäne zu begeben. Ein Positiver und Kranker gehört nicht auf die Straße. Da aber nicht jeder vom ersten Tage an weiß, ob er überhaupt Infiziert ist, aber dennoch infektiös sein kann, wird das Tragen bis zum Stadium des Verdachtsfalls oder bestätigen Falls für alle empfohlen.
Es gibt keine Daten, dass der Mund-Nasen-Schutz auch gesunde, nicht infizierten Personen schützt. Das Virus kann da durchgelangen. Das Tragen darf den Bürger nicht in falscher Sicherheit wiegen und ihn dazu verleiten, sich weniger die Hände zu waschen und den Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Meter zu unterschreiten. „Ja, aber ist denn mit Maske denn nicht besser als ohne?“, hab ich mich selbst lange gefragt. Immerhin hat jede Stoffschicht eine gewissen Filtereffekt. Immerhin reduziert sie beim Hustenden den Ausstoß, wieso sollte es also nicht auch umgekehrt gelten? Grundsätzlich stimmt das, aber es kann sogar eine höhere Gefahr davon ausgehen, wenn man mit dem Schutz nicht gewissenhaft umgeht: Trage ich als gesunder Mensch die Maske mehrere Tage in der Öffentlichkeit hintereinander, fungiert das Ding als „Partikelfänger“. Grundsätzlich sind diese Masken Einwegartikel. Nach einmaligem Gebrauch gehören sie in den Müll. Untersuchungen bescheinigen aber inzwischen, dass man sie unter bestimmten Aspekten wiederverwenden kann. Dazu muss man ihn eine halbe Stunde lang auf 65-70 Grad erhitzen. Auch Bügeln, soll die Wiederverwendbarkeit sicherstellen. Aber so wie ich Leute in der Öffentlichkeit sehe, wie sie ihren Mundschutz tragen (unterm Kinn, nur über Mund aber die Nase frei, zupfen sich ihn zum Quatschen oder an der Kasse runter, …) bringen sie sich in größere Gefahr als ohne. Der Schutz gehört einmal umgebunden und danach nicht mehr angetatscht. Er muss fest über Nase und Mund sitzen. Fasst man ihn ständig an, trägt man mehr und Mikroben auf von seinen Händen auf die Maske auf, die man dann durch die Maske hindurch einatmet.
Daher wird eine allgemeine Tragepflicht nach wie vor als kritisch bewertet. Nicht nur aus Gründen der Mangelversorgung. Dennoch ist ein freiwilliges Tragen zu befürworten. Nochmals: Nicht um sich selbst vor einer Ansteckung zu schützen, sondern als potentieller Infizierter andere. So oder so läuft es auf der selbe hinaus: Jeder sollte eine tragen. Und ich bin mir sicher, dass zu den EXIT-Strategien auch eine Tragepflicht an bestimmten Orten gehören wird. Damit befasse ich mich dann aber in einem weiteren Blogpost.

Quellen:
Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts vom 03.04.2020
rki.de
Impfen-info.de
Dashboard des RKI und der John-Hopkins-University
N-TV Corona News-Ticker
n-tv.de
tagesschau.de
cnn.com
twitter.com
blutspendedienst.com
chip.de
nrg.cs.ucl.ac.uk/mjh/covid19/ (Beitragsbild)
de.statista.com

Systemrelevante Berufe: Die gescholtenen Helden Teil 2/2 – Corona-Post 3

Nachdem ich mich gestern ausführlich zu unseren medizinischen Berufen geäußert habe, widmen wir uns heute weiteren starken Armen, die uns durch die Krise tragen:

2. Lkw-Fahrer, Bauern, Putzfrauen: Ja, auch systemrelevant.
Stellt euch mal vor, eine dieser Berufsgruppen würde jetzt anfangen zu streiken. Es würde einer Erpressung gleichkommen, oder nicht? Für eine gerechtere Entlohnung einzutreten und dafür die Arbeit niederzulegen? Am besten zu Drangzeiten, um am meisten Druck auf die Arbeitgeber und -verbände auszuüben?
Ist doch normale Streikstrategie und wird z. B. alle Jahre wieder in den Tarifverhandlungen der Fluggesellschaften und der Bahnbeschäftigten genutzt. Eine Auseinandersetzung auf dem Rücken der Kunden ausgetragen. Wieso jetzt nicht auch von Logistikunternehmen? Verdi ruft doch auch rechtzeitig zur Weihnachtszeit insbesondere Amazon-Mitarbeiter zu Streiks auf.
In diesen Corona-Zeiten verdient sich Amazon eine noch güldenere Nase als im Dezember. Bahn- und Flugverkehr dagegen fahren zusammen mit der ausgangsbeschränkten Bevölkerung runter. Weniger Zugverbindungen, kaum Flüge mehr. Obwohl so grundverschieden der Versandhandel und die Reisebranche sind, was sich auch an ihrer unterschiedlichen Auslastung ablesen lässt: Auf beide Dienstleistungssparten ist der Mensch nicht existenziell angewiesen. Auf die tägliche Versorgung mit Verpflegung und Hygienemittel sehr wohl. Ja, Amazon verkauft auch Seife und stellt sich immer noch als Logistikunternehmen hin statt Versandhändler, doch in der Masse wird ihre Ware von Paketdiensten und echten Logistikfirmen transportiert.
Doch unsere Lkw-Fahrer und Lagerarbeiter stellen sich zusammen mit den Einzelhandelslogistikern und Regaleinräumern ihrer Verantwortung unserer aller Grundversorgung. Würde diese Kette brechen, schlittert eine so entwickelte, moderne und zivilisierte Gesellschaft wie unsere auf die Anarchie zu.
Phase 1: Das einzige Recht, das sich von selbst zum Gesetz ratifizieren wird, wäre das des Stärkeren. Zunächst setzt man sich mit lauten Worten und Ellbogen gegen den Schwächeren am Klopapierregal durch. Den Zustand hatten wir schon kurzzeitig erreicht als unverhältnismäßige Hamsterkäufe den Eindruck vom Mangel an Zellulose auf Papprollen vermittelten. Ja, die Regale sind immer noch leer, aber sie waren es nicht durchgängig. In meinem Supermarkt heute waren die gewohnten Marken alle Weg, auch das teure. Doch das billige Recyclingklopapier rührt man nicht an. Da warte ich lieber wieder auf das dreilagige, bevor ich mir den Anus zerkratze. Ich hab ja eigentlich doch genug zu Hause.
Phase 2: Lebensmittel und Hygieneartikel kommen tatsächlich nicht mehr nach. Die Hamsterer sind noch vorsichtig optimistisch, und hoffen, dass ihre Lagerbestände die Krise überdauern werden. Andere beginnen schon jetzt zu rationieren. Die aber im Kampf am Regal die Verlierer waren, bekommen es mit der Angst zu tun. Sehen sich bereits in ihrem Überleben und das ihrer Familie bedroht. Der Stolz, um Hilfe zu bitten fällt schnell. Alle Möglichkeiten werden genutzt. Man erfährt von Hilfsorganisationen, die die Armen schon immer versorgt haben. Niemals hätte man geglaubt, zu denen zu gehören. Doch auch die gemeinnützigen Organisationen müssen zusperren. Der Andrang ist zu hoch. Auch sie werden nicht mehr beliefert. Erste Einbrüche und Plünderungen von Einkaufsmärkten und Gastronomiebetrieben kommen auf.
Phase 3: Auch die Vorräte der Stärkeren und Reichen gehen zu Neige. Ihre Angst steigt, dass sie Opfer von Raubdelikten zu werden. Oder von Hassangriffen. Die Polizei ist mehr und mehr überfordert durch die steigende Kriminalität.
Das kann man noch viel weiter spinnen. Ich will hier aber keine Dystopie heraufbeschwören oder Angst schüren. Nur die Darstellung der Wichtigkeit dieser Kette ist mir ein Anliegen. Sie hält uns auf einer Stufe der Zivilisation, an dessen Wohlstand und Unbekümmertheit wir uns schon so gewohnt haben, weil wir darin aufgewachsen sind. Und so sehr wir jammern, dass es uns doch so schlecht geht, dass dieses und jene System marode und ungerecht ist, die Politik versagt, die Reichen reicher werden, die Armen dagegen ärmer.
Alle das ist wahr und richtig. Dass viele von uns Opfer von Bevorteilung und das Messen mit zweierlei Maß sind, steht außer Frage. Doch hält es sich meist in einem schluckbaren Rahmen. Wir schlucken und schlucken. Ertrinken tun aber die wenigsten. Manche halten sich tatsächlich seit langer Zeit einfach noch so über Wasser. So lange schon, dass sie sich damit abgefunden haben und nicht mehr vom Leben erwarten.
Doch sieht man, wie viel schlechter es uns allen gehen könnte… Für ein nahes Szenario müssen wir nicht allzuweit schauen: Die Kriegsgebiete, in die auch der deutsche Staat mit Steuergeld und Rüstung investiert. Auf die eine oder andere Art dort das Elend von Millionen Menschen mitfinanziert und die Flüchtlingswelle nach Europa selbst anpeitscht.
Doch ich schweife ab.
Die oft gescholtenen Land- und Viehwirte stehen an vielen Produktionsketten an erster Stelle. Ohne ihren nahezu ganzjährigen Einsatz 7 Tage die Woche, fehlten uns das tägliche Gemüse, Milch- und Fleischprodukte. Unterstützt von Leiharbeitern aus den osteuropäischen Ländern, die aufgrund der Grenzschließungen nun fehlen. Dieses Jahr wird nicht nur die Dürre ein Thema von Ernteausfällen sein, sondern überhaupt die Möglichkeit die übliche Aussaht- und Erntekapazität annähernd zu erreichen. Preise werden hier definitiv steigen.
Putzpersonal. Die geringst geschätzten Engel in jedem Büro. Räumen sie unseren Dreck auf Arbeit weg, den wir zu Hause selbst im Stande wären zu beseitigen. Die Toilettenschüssel in einem Zustand zu hinterlassen, bei dem mich meine Mutti mit der Klobürste verprügelt hätte. Man sammelt einmal im Jahr zu Weihnachten für die Fee und alles ist damit abgegolten. Sie wird doch dafür bezahlt. Nein, das Ablegen von zivilisiertem Verhalten für ein paar Groschen zu kompensieren, dafür ist sie nicht da. Nächstenliebe, Solidarität – Themen, auf die ich zu einem späteren Blogpost zu sprechen komme. Vielleicht ist es auch ein krankes Gefühl der Überlegenheit. Der Zwang, seine eigene Position in der Firma auf diese Art hoch herauszuheben. Aber sie sind es, die sich um den hygienischen Zustand unserer Arbeitsumgebung kümmern. Auch gern mal Missgeschicke unsererseits beseitigen, solange es gern mit einem Bitte und Danke verbunden ist. Und ein Dankeschön haben sie sich immer wieder mal hier und da verdient. Was kostet es uns denn?
Gerade in diesen schwierigen Zeiten, in denen sie sich, noch länger als es uns selbst lieb sein würde, an den hochfrequentiertesten Orten aufzuhalten, in denen das Infektionsrisiko bei jeder Grippewelle und jedem Magen-Darm-Infekt am höchsten ist, und per Hand schrubben. Insbesondere in medizinischen Einrichtungen kommt ihnen alltäglich die Verantwortung zu, gründlicher als gründlich zu sein. In einem Umfeld von ständiger Gefahr einer Ansteckung mit jeglichen Keimen. In Krankenhäusern schätzt man ihre Arbeit sehr. Ich hoffe, dass es auch in ihrem Büro so ist.
Eine Anekdote, die Putzpersonal und Lkw-Fahrer zusammenbringt: Ich habe auf Twitter gelesen, dass offenbar aus Mangel an Putzpersonal manch sonst kostenpflichtigen Toiletten frei zugänglich sind. Lkw-Fahrer fanden katastrophalste Zustände vor. Bewegt man sich dieser Tage auf der Autobahn, sieht man mehr Lkws auf der Straße als Pkws, logischerweise. Unseren Lkw-Fahrern, insbesondere solche auf Mehrtagestour, erschweren solche Umstände ihre Arbeit deutlich. Von der Ansteckungsgefahr noch gar nicht zu reden.

3. Der leidtragende Bürger ohne systemrelevantem Job: Der passive Held.
Ob sich mein Job nun als systemrelevant bezeichnen lässt oder nicht. Als Einzelhändler oder Gastronom darf ich schon mal meinen Laden nicht aufsperren. Vielleicht konnte man auf Onlinehandel oder Abholmodelle und Lieferungen umstellen um die Verluste ein wenig abzufedern. Kreativität wird aktuell vielen abverlangt. Manche Städte selbst holen ihre ansässigen Ladenbesitzer in ein neu aufgesetztes Onlineportal, in denen sie den regionalen Käufern ihre Ware zum Versand oder Abholen anbieten können. Daumen hoch.
Bürojobs lassen sich weitestgehend per Homeoffice und Videokonferenzen realisieren. Wenn auch von vielen Chefs immer noch als nicht durchführbar deklariert, öffnet es manchen Chefetagen die Augen, dass es doch geht, und sogar Vorteile mit sich bringen kann. Dennoch für die meisten eine ungewöhnliche Erfahrung, die manches erleichtert, aber vieles komplizierter macht. Hallo Kreativität.
Schüler versuchen auch das beste daraus zu machen und kreativ zu denken. Was bleibt Studenten und Abiturienten denn auch anderes übrig. Auch um ihre Zukunft geht es – ganz entscheidend sogar. Und der oft ebenfalls unterbesetzte Lehrkörper zieht mit, bringt seine eigenen Ideen ein, die er nicht im Lehramtsstudium vermittelt bekommen hat. Er will seine Schüler unbedingt die Prüfungen bekommen. Solch ein enges Schüler-Lehrer-Verhältnis gab es wohl noch nie. Daher wurde auch der Skype-Kontakt zwischen ihnen in Hamburg verboten. Wirklich? NEIN! Das ist eine Falschmeldung – neutrumpdeutsch: Fake-News. Grundsätzlich sind kommerzielle Kommunikationsportale als datenschutzrechtlich bedenklich einzustufen. Angesichts der vorliegenden Krise ist dies aber nicht zu eng zu sehen, aber Vorsicht sein geboten. Es gibt aber auch datenschutzrechtlich unbedenklichere Alternativen für die Online-Unterrichtung wie „EduPort“ oder „Mebis“.
Und dann bleiben noch die Unseligen. Die Kurzarbeiter, Handwerker und Zugehörige andere Professionen, denen die Lebensgrundlage komplett gestrichen wurde.
Ihnen allen ist trotz der unterschiedlichen Schwere der Last, die sie schultern müssen, eines gemeinsam: Die Pflicht, sich still zu halten. Bleibt daheim! Ein simpler Aufruf, der bei so vielen auch ankommt – so dankenswerter Weise für alle Mitmenschen nicht auf taube Ohren trifft. Ihr gewohntes Sozialleben extrem runterzufahren, obwohl man es in diesen Zeiten umsomehr zu schätzen, lieben und vermissen lernt. Das ihnen helfen könnte, weitere Wochen der finanziellen Sorgen leichter durchzustehen.
Mein Appell an euch alle … Aber wer bin ich schon, der euch zur Kreativität aufruft. Die meisten Zerbrechen sich Tag und Nacht den Kopf darüber. Aber wenn ihr keinen Einfall habt, dann lasst auch ruhig mal den falschen Stolz fallen. Fragt eure Freunde um Rat. Redet über eure Sorgen, vertraut sie jemandem an. Wendet euch auch an die Konkurrenz. In diesen Zeiten bin ich mir sicher, dass man auch hier gerne mit einem Ratschlag zur Seite steht. Vielleicht erdenkt man sich sogar zusammen ein Modell, das allein nicht klappen würde, aber zu zweit, oder zu dritt vielleicht. Kreativität, Chacka!
Vielen Dank an alle, die so besonnen den Freiheitsbeschränkungen der Regierungen folgen. Die Masse ist sich der Ernsthaftigkeit und die Verantwortung, die jeder einzelne ungefragt trägt, bewusst. An die wenigen Unbelehrbaren: Tragt eure Selbstsucht bitte nicht weiter durch die Gesellschaft. Ihr vergiftet damit das Wohl von allen. Auch durch vermeintlich verborgen gefeierte Partys zum runden Geburtstag bringt ihr nicht nur euch selbst und eure Gäste in Lebensgefahr, sondern auch deren Angehörige. Schreibt euch nicht den Tod der Großeltern eines Partygasts auf eure Einladung. Auch an dieser Stelle nochmal ganz deutlich: Auch wenn ich euch gesund fühlt, könnt ihr das Virus bereits in euch haben und ansteckend sein, bevor die Krankheit sich bei euch bemerkbar macht. Es geht in erster Linie nicht darum, ob IHR krank werdet, sondern wie viele IHR ansteckt.
So, das wars erstmal zu diesem Thema. Nochmals allen angesprochenen mein herzliches Dankeschön. Ich bin mir sicher, dass die Anerkennung gerade im Nachgang der Krise, insbesondere in der Politik merklich einschlagen wird. Dafür, wofür ihr seit so vielen Jahren kämpft, und die Missstände, die ihr so lange anprangert, werden zwar nicht von heute auf morgen verschwinden. Und man wird sich dennoch wieder mit Kompromissen abfinden müssen, ist die Gefahr erst mal hinter sich gebracht. Aber eure Wichtigkeit wird Thema bleiben. Da bin ich mir sicher. Bis dahin wünsche ich euch viel Kraft. Euch und euren Familien, die diese Last mittragen.
Im nächsten Blogpost widme ich den unmittelbaren Opfern des Virus: die Kranken, die Verstorbenen, die Geheilten. Und dem aktuellen Stand der Medizin. Passiv-Impfung wird gerade ein größeres Thema. Ebenso das Tracking oder Tracing von Positiv-Getesteten zur Nachvollziehung von Infektionsketten.

Quellen:
N-TV Corona News-Ticker
twitter.com
datenschutz-hamburg.de
spiegel.de
it.kultus-bw.de

Systemrelevante Berufe: Die gescholtenen Helden Teil 1/2 – Corona-Post 2

Wow, wie systemrelevant plötzlich manche Jobs erscheinen. Obwohl es eigentlich jedem vorher schon klar hätte sein müssen, nehmen wir die Dienstleistungen und die Arbeit von so vielen Mitbürgern doch als selbstverständlich an. Sie arbeiten für einen Hungerlohn, arbeiten noch einen Zweitjob oder sind zusätzlich auf die Stütze angewiesen. Und verdienen sich im Alltag nicht mal ein Lächeln und einen freundlichen Gruß des Kunden. Selbst eine Frage um Hilfe beginnt nicht mit „Entschuldigen Sie…“ oder „Guten Tag. Dürfte ich Sie…“. Stattdessen bekommt man eine Aufforderung von der Seite an die Backe geklatscht „Sie. Wo finde ich denn…“ „Wo habt ihr denn…“. Ein Danke hört man dann zum Glück doch noch oft.
Aber in den heutigen Krisenzeiten liest man, dass sie beschimpft und in einzelnen Fällen sogar körperlich angegangen werden. Weil eine Ware nicht in den Regalen steht, oder man nicht mehr als eine Packung kaufen dürfe. Die Arbeiter haben die Anweisungen der Geschäftsführung folge zu leisten, welche dem Allgemeinwohl nutzen sollen. Doch der Einzelne sieht hier nur sich und sein eigenes Wohl. Ich will hier nicht per se alle diese Kunden verteufeln. Manche von ihnen haben sicher Familie, mit kleinen Kindern zu Hause vielleicht. Klar denken sie in erster Linie an das Wohl ihrer eigenen Familie. Der Rest muss erstmal egal sein. Versteh ich.
Doch es muss ein Maß haben. Dass man seinen Frust gegen eine Person ablässt, die nichts dafür kann, ist widerlich. Vor allem, weil dies niemandem nützt. Oftmals mochten Personen, die, indem sie auf die Barrikaden gingen, ihren Kopf durchsetzen können. Weil das Gegenüber klein beigab, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Zum Nachteil desjenigen, der sich brav mit einer Situation abfand und freiwillig den Kürzeren zog. Solche Egoisten und Egozentriker gab es und wird es auch immer geben. Wer gegen einen Handy-Bußgeldbescheid Einspruch einlegte zum Beispiel, obwohl er schuldig war und das Verfahren nach falschen Beteuerungen eingestellt wird, während der ehrliche Bürger seinen Fehler sofort einsieht und ohne zu maulen zahlt. Was sie von sich selbst aber niemals behaupten würden, dass sie damit zum Abschaum der Gesellschaft gehören. Diesem widme ich meinen nächsten Blogpost. Doch schauen wir uns heute das Rückgrat unserer Gesellschaft an, die bemüht weiterarbeiten (dürfen) um uns alle am Leben zu erhalten und uns vor grotesken Handlungen und Entscheidungen bewahren.
Vorher noch eine kurze Anekdote am Rande. Gestern nachdem sich die Wirtschaftsweisen mit ihren Prognosen zu Wort gemeldet haben, hat sich auch ein millionenschwerer Aufsichtsratsvorsitzende geäußert. Er warnt davor, sollten die Beschränkungen nicht nach spätestens vier Wochen aufgehoben werden, drohe vielen Menschen ein Wohlstandsverlust. Ach was. Ein Verlust in WESSEN Wohlstand? Der Herr ist übrigens Autor des Buchs „Luxus schafft Wohlstand“ XD. Wieviel Prozent der Bürgerschaft mag sich wohl jemals als wohlhabend bezeichnet haben? Dass es trotzdem die Lebensqualität des überwiegenden Mittelstands in Mitleidenschaft ziehen wird und dessen Ersparnisse binnen kürzester Zeit aufgefressen haben dürfte, dazu hätte ich keinen Finanzexperten gebraucht. Das sieht nahezu jeder, wenn er heute auf sein Konto blickt.
Niemand dürfte Zweifel daran haben, dass wir die nächsten Jahre daran zu knabbern haben werden, unseren gewohnten Lebensstandard wiederherzustellen. Selbst wenn sich Deutschland in der Theorie schnell wieder erholen kann, diese Krise hat nicht nur allein wirtschaftliche Folgen, sondern schneidet ihn sehr viele andere parallele Bereiche. Zum einen wird sie tiefe Spuren in unserem Gesellschaftsdenken, in unserem Selbstbild, unserem Sicherheitsgefühl und in unserem Konsumverhalten hinterlassen. Damit wiederum befasse ich mich noch einen Blogpost später 🙂 Doch nun endlich zu unseren Helden und Märtyrern:

1. Medizinisches Personal und die Pharmaindustrie: Die aktiven Helden.
Wer hätte es für möglich gehalten, je ein Pharmaunternehmen hochzuschätzen? Sind die aktiennotierten Konglomerate doch stets in der Missgunst von Verschwörungstheorien, kartellartigen Monopolen und gewinnmaximierenden Machenschaften durch das Geschäft mit dem Leid von Kranken. Da sticht ein einzelnes Unternehmen plötzlich positiv heraus (neben der Tatsache, dass die Pharmaindustrie mehr als 120.000 Jobs stellt; staatliche Institutionen glaube ich hier noch nicht mit eingerechnet). Zugegeben, ohne den deutlichen Rückenwind aus den USA – dem Kaufangebot, bzw. das Bemühen um einen Exklusivvertrieb eines möglichen Impfstoffs der Tübinger Firma Curevac – hätten wir vermutlich nie erfahren, dass diese spezielle Firma daran arbeitet. Vielleicht wär der Verkauf ja auf unbemerkten Sohlen tatsächlich über die Bühne gegangen. Letzteres wohl eher nicht. Die Forschungen der Firma arbeitet ja nicht allein daran, sondern in Zusammenarbeit mit verschiedenen staatlichen Stellen und mit Steuergeldern. Wäre es zu einem Verkauf gekommen, hätte der Bund sicher geklagt. Womöglich bis zu einer einstweiligen Verfügung, dass Curevac nicht weiter für die USA forschen dürfe, und somit keiner einen Nutzen von der bisherigen Arbeit hat. Aber zum Glück erteilte die Firmenführung nach ein zwei Tagen Presserummel den USA eine Abfuhr. Also hoffen wir weiter auf ein Impfmittel bis zum Ende diesen Jahres – für alle.
Wie hoch nun die Erwartungen an das Pharmawesen sind. Möglichst schnell natürlich DEN Impfstoff zu kreieren. Parallel dazu Therapiemittel zu testen, die auch nach einer Infektion mit dem neuen Virus helfen könnten. Aktuell sind eine Handvoll Mittel vielversprechend. Verlässliche Statistiken gibt es dazu aber noch nicht. Zu viele andere Mittel in verschiedensten Konzentrationen bei unterschiedlichem Stadium der Krankheit wurden verabreicht ehe sich eine Genesung bei Patienten einstellte. Das muss erst mal evaluiert werden, bevor man wirklich einen Stoff als Heilmittel ausloben kann.
Auch die Entwicklung von neuen Tests führen zu immer schnelleren Ergebnissen. Bis Anfang Mai soll einer in hoher Stückzahl zur Verfügung stehen, der binnen Minuten ein verlässliches Ergebnis liefert, anstatt wie bisher erst nach Tagen (in den USA, wurde erst vor kurzem ein Test zugelassen, der ein Ergebnis binnen 1-2 Stunden liefert). Aktuellen Angaben zufolge hat Deutschland die Kapazität von Tests auf einen halbe Million pro Woche hochschrauben können. Hier ist aber ziemlich die Grenze erreicht und auch, ob man diese Frequenz aufrechterhalten kann ist im Zweifel.
Das Kredo heißt im Moment: Testen, testen, testen. Je mehr Tests, desto ein verlässlicheres Bild hat man über die Ausbreitung und man kann Gegenmaßnahmen in Form einer Quarantäne ergreifen. Die Verbreitungswege nachzuvollziehen ist der zweite große Faktor, dem die Behörden volles Engagement widmen. Wenn man die Ketten soweit verlässlich identifizieren kann, dann ist es auch möglich diese irgendwann zu brechen. Doch aktuell verbreitet sich das Virus noch zu unkontrolliert und in der Masse nicht umfassend belegbar.
Auch in manche Altersheime ist das Virus inzwischen gelangt. War die Todesrate im weltweiten Vergleich in Deutschland bisher überraschend gering, wird diese in Kürze wohl deutlich ansteigen. Aber es sind im Moment noch Einzelfälle. Auch in manchen Asylunterkünften sitzt das Virus und wird durch Quarantänemaßnahmen im Gebäude und umzäunten Gelände gehalten. In beiden Fällen ist den Bediensteten ein großes Lob auszusprechen. Insbesondere natürlich dem Pflegepersonal, die alles menschlich mögliche tun, um unsere empfindlichste Gesellschaftsschicht – unsere Eltern und Großeltern – vor dem Virus zu bewahren, mit ihnen dagegen zu kämpfen und leider auch ihre letzten Stunden zu begleiten. Unter dem hohen Risiko, sich selbst anzustecken und ihre Familien zu Hause. – Ich habe von einer Pflegerin gelesen, die von zu Hause ausgezogen ist, um dauerhaft im Pflegeheim mit in Quarantäne zu leben, nachdem ein Bewohner zum Verdachtsfall wurde, um die anderen weiter zu versorgen. Ohne ihre eigene Familie jeden Tag bei ihrer Rückkehr in das Ansteckungsrisiko zu bringen. Die Kinder haben Angst, dass sie ihre Mutter überhaupt je wiedersehen werden.
Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, die selbst hochgradig infiziert ununterbrochen weiter arbeiten, um dann selbst tot umzufallen. Das sind die Zustände in Italien. Auch von drei Ärzten in England ist sowas bekannt, obwohl es dort noch bei weitem nicht die Ausmaße wie in Italien oder Spanien hat. Doch deren Gesundheitssystem wurde schon vor Jahren kaputtgespart und ist nicht annähernd in der Lage mit dem Ansturm an Patienten umzugehen. Auch aus dem Brandherd New York hört man bereits solche Nachrichten über Klinikpersonal, das bis zur Erschöpfung arbeitet und aus Mangel an Schutzausrüstung, diese Einmalklamotten und Masken mehrere Tage wiederholt tragen. Ohne die erst kürzlich freigegebene Wiederverwendung nach mehrstündiger Desinfektion in einem Gasbad bei der Herstellerfirma. Den Hilferuf der Kliniken beantwortete der noble Herr Trump nicht mit Zusicherung seiner Hilfe – dabei ist er mit falschen Versprechen doch immer so spendabel – bezichtigt er das Personal der Veruntreuung des vorhandenen Materials.
Der Arzt, der als erstes am chinesischen Regime vorbei die Welt Anfang Januar überhaupt erst auf die Existenz der neuen Art und Gefährlichkeit des Coronavirus aufmerksam gemacht hat, ist wenige Wochen danach selbst an der Infektion gestorben. Und Länder weltweit haben die Warnung nur mal zur Kenntnis genommen und weiter beobachtet. Schnellschüsse anhand einer nicht bestätigten Quelle aus China zu feuern? OK. Aber auch jetzt gibt es immer noch Länder, deren Regierungen die Gefährlichkeit herunterspielen und mit einem Schmunzeln ins offene Messer laufen. Die Opfer unserer Ärzte und medizinischen Fachkräfte dürfen nicht umsonst gewesen sein. Sie müssen ernst genommen werden. Vielerorts sehen sie sich mehr denn je im Stich gelassen.
Ich hoffe, dass unseren Medizinern und ihren Familien in Deutschland diese Opfer erspart bleiben. Obgleich ich sicher bin, dass viele ihrem Lebens- und Jobethos treu bleiben würden, um alles zu tun, um jedes Leben zu retten. Und dann noch eins. Es ist kein Geheimnis, dass auch unser medizinisches Personal infiziert weiterarbeitet, um das Gesundheitssystem nicht zusammenbrechen zu lassen. Fallen sie nämlich aus, wird die Versorgung der Patienten immer schwieriger. Immerhin weiß das Personal, wie sie niemanden anderen anstecken. Aber das darf doch eigentlich nicht hingenommen werden. Ich spreche hierbei nicht über die Infektiösität des Klinikpersonals selbst, sondern dass es ihnen überhaupt erlaubt werden darf – nein, muss – schwer krank unter Höchstbelastung weiterzuarbeiten und mehr Überstunden zu leisten, als ohnehin schon in unkritischen Zeiten. Auch sie sollten ersetzbar sein, um sich zu erholen. Auch um den Mangel an Personal aus den östlich angrenzenden Ländern, die nicht mehr einreisen dürfen, aufzufangen wurden Pensionisten und ehemaliges Personal reaktiviert und auf freiwilliger Basis wiedereingestellt. Trotz der vielen Freiwilligen würde dies bei uns aber im Schlimmstfall nicht reichen. Auch uns, würden die medizinischen Engel wegsterben, wie es aktuell in den schlimmsten Regionen der Erde der Fall ist. Und wenn der Virus erst mal richtig in den Entwicklungsländern einschlägt, was in Kürze zu erwarten ist, dann wird die Totenrate ganz deutlich nach oben schnellen. Darunter viele Mediziner, die bis zum letzten Atemzug mit einem Holzschwert vor einem Tsunami stehen. Auch hier werden wir als Industriestaaten wieder gefragt sein, dort zu helfen, die Welle abzufedern. Mit Ausrüstung und medizinischem Personal, spätestens sobald bei uns die Spitze der Kurve vorübergezogen ist. Auch jetzt nehmen deutsche Kliniken mit noch offenem Potential Fälle aus Italien und Frankreich auf.
Von den 53.000 Infizierten in Deutschland (Stand 30. März) werden momentan rund 7.000 Menschen in Krankenhäusern behandelt (1.500 auf Intensivstationen, davon müssen 1.100 beatmet werden). Aktuell sind noch 45% der Intensivbetten frei.
Ehemals 20.000 Beatmungsplätze wurden deutschlandweit auf zwischenzeitlich 30.000 aufgestockt. Deutschlandweit hat man also einen sehr komfortablen Puffer an Beatmungsgeräten. Der Puffer kann aber schnell schrumpfen. Hätten wir nach wie vor eine Verdopplung der Rate an Infektionen alle 2,5 Tage anstatt inzwischen nur noch alle 5 Tage, wäre die Kapazität bereits nach zwei Wochen erschöpft, würde man die selbe exponentielle Rate annehmen. Aktuell haben wir also vier Wochen gewonnen, ehe die aktuelle Zahl an Beatmungsgeräten womöglich nicht mehr ausreichen würde.
Und das ist die schiere Anzahl an Geräten. Medizinisches Personal, die diese auch bedienen und die Masse an Patienten versorgen muss, schnitzt man sich nicht so schnell, wie eine Maschine, oder Schutzkleidung, die nach und nach in rauen Mengen eintrifft.
Doch man sieht bereits jetzt, auch wenn sich die Maßnahmen noch nicht ganz klar abzeichnen, dass man ganz wertvolle Zeit gewonnen hat. Bereits die kommenden Tage wird man den Trend, der sich beginnt abzuzeichnen, bestätigen können. Auf einen Zeitraum von 10 Tagen muss die Verdopplung der Zahl von Neuinfizierten sinken, um diese abflachende Kurve sicher bestätigen zu können und davon reden zu können, die Verbreitung in den Griff gebracht zu haben.
Doch was dann? Den verschiedenen Exit-Strategien widme ich mich in einem späteren Post. Doch auch ich sage: Es ist zu früh, dass die Politik öffentlich darüber spekuliert. Hinter den Kulissen darf man sich gern mal Gedanken machen, wie ich es auch mache. Aber ich hab nichts anderes zu tun, als mein Hirn damit zu beschäftigen. Vielleicht nähe ich selbst auch noch Schutzmasken. Aber unsere Politiker sollen ihre ganze Energie nun erstmal dieser ersten Phase widmen. Erst wenn die Wissenschaftler bestätigen, dass wir auf einem guten Weg sind, und sich dazu äußern, ab wann es vertretbar ist, die Maßnahmen zu lockern. Dann kann man die Pläne hochholen und mit weniger Druck auf der Brust und den Schultern anhand der aktuellen Zahlen und Werte über das Hochfahren reden.
Wir schauen uns derweil noch andere Arme an, die uns durch die Krise tragen:

Oh, ich sehe gerade, dass der Post doch schon recht lange ist. Dann splitte ich an dieser Stelle und melde mich morgen mit der Fortsetzung 🙂
Doch noch kurz zum Thema Schutzmasken: Es kommt in den letzten Stunden immer wieder eine Tragepflicht ins Gespräch, nachdem Österreich diese eingeführt hat. Die Stadt Jena will eine solche ab kommenden Montag einführen, auch wenn es keine gekaufte oder selbstgenähte Maske sein muss. Hauptsache Nase und Mund sich dauerhaft verdeckt. Doch würde die Schlagzeile „Ab Morgen Maskenpflicht in Deutschland“ durch die Medien springen, was würde passieren? Jeder hat so im Hinterkopf, dass die einfachen Gesichtsbedeckungen nichts nutzen. Also kauf ich mir lieber gleich was, das wirklich sicher ist und sucht nach ner FFP2-Maske. Solche sind jetzt schon Mangelware und werden auch auf dem freien Markt zu einem horrenden Preis gehandelt. Statt normalerweise für unter einen Euro gehandelt, verlangt man dafür im Moment über 13 Euro das Stück! Das sind übrigens auch nur als Einwegmasken und nicht zum mehrfachen Gebrauch gedacht. Also pro Einkaufstour theoretisch eine Maske. Doch der Preis soll hier nicht das Problem sein. Ja, die FFP2 Masken sind sicher. Vorausgesetzt sie werden korrekt getragen und nicht zwischendurch an der Kasse oder zum Plaudern auf dem Parkplatz abgenommen. Diese schließen sich luftdicht um die Gesichtspartie. Habt ihr schon Fotos von Leuten gesehen, nachdem sie solche eine Maske korrekt getragen haben? Kein angenehmes Unterfangen. Das sind Masken für medizinische Fachkräfte, die sich den ganzen Tag um kranke Leute kümmern, die in ständigem Kontakt und in nächster Nähe zu infizierten Patienten sind. Würden sich nun auch die Bürger damit eindecken, was auch schon geschehen ist, wie auch mit Desinfektionsmittel, dann entzieht man das Material den Leuten, die wirklich höchst gefährdet sind, sich anzustecken. Ja, es wurde viel von der Regierung bestellt und wird auch im Inland produziert (Werkstätten werden dabei möglichst geheim gehalten und Lieferungen stehen unter Polizeischutz). Aber die nötigen Mengen sind noch nicht geliefert oder produziert, auch aus Mangel an Rohstoffen.
Ich bin vollkommen für freiwilliges Maskentragen, und zwar lieber gestern als heute. Etwas was in asiatischen Ländern bei jeder Grippewille selbstverständlich ist, um seine Mitmenschen nicht anzustecken. Aber bitte lasst die Finger von den FFP2-Masken. Näht euch selber eine Mund-Nasen-Schutz, oder bindet euch einen schicken Schal um, wenn ihr Einkaufen geht. Und fallt bitte nicht auf die Ebay-Angebote rein! Wenn ne Stoffmaske mit FFP2 beworben wird, dann ist das Betrug! Eine FFP2 hat einen festen Körper und man atmet je nach Ausführung durch ein Ventil hindurch. Und sie sind für den Zweck der Infektionshemmung nicht einfach waschbar und wiederverwendbar!
Meine Einschätzung übrigens: Die Maskentragepflicht kommt, aber erst wenn genügend Bestände da sind, ohne die Versorgung der Kliniken, Rettungsdienste und niedergelassenen zu beeinflussen, und die Exit-Phase anläuft und damit das gesellschaftliche Leben wieder hochfährt.

Quellen:
N-TV Corona News-Ticker
spiegel.de
stern.de
wikipedia.org
twitter.com
cnn.com
rki.de
ebay.de
Pressekonferenz der Bayer. Staatsregierung vom 30. März 2020

Das Coronavirus: Haben wir es wirklich verstanden? Ja offensichtlich nicht! – Corona-Post 1

Fragt man auch jetzt noch Bürger auf offener Straße, die die Allgemeinverfügungen der Länder belächeln (um es mal gediegen auszudrücken), dann zeigt sich ganz klar, wie wenig sich die Leute damit beschäftigen. Oder sich von Halbwissen und Falschnachrichten beeinflussen lassen. Man sollte meinen, dass vor allem Schüler im Moment genug Zeit hätten, sich tiefer in die Materie einzulesen.
Stattdessen bekommt man so was zu hören:
„Dann bekomm ich’s halt. Ist doch nur für alte Leute gefährlich.“
„Ich bin doch gesund. Wieso sollte ich daheim bleiben.“
Ok, in den ersten Wochen konnten auch die Experten noch nicht wirklich einschätzen, welche Gefahr das Virus (außerhalb Chinas) tatsächlich bergen KANN. Oder die Experten zwar schon, aber die Politik hat noch etwas gebremst. Doch inzwischen haben wir genug Beobachtungen, um verlässliche Einschätzungen geben zu können. Unsere Nachbarn Italien und Frankreich, als auch Spanien geben den Takt vor.
Ich hab mich mit der Thematik befasst und hab neben umfangreichen Wissen auch eine recht klare Meinung gefunden. Dennoch will ich die folgenden Zeilen möglichst nüchtern und objektiv schreiben. Von Berufswegen maße ich mir an, das tatsächlich gut hinzubekommen und auch einen guten Gesamtblick auf die Lage zu haben.
Fassen wir das Wissen der letzten Wochen erstmal zusammen (ohne zu technisch zu werden):

1. Verwirrung durch Nummern und Abkürzungen (zumindest anfangs bei mir): COVID19 (COronaVIrusDesease 2019) ist die Ende 2019 begonnene Krankheitswelle, die von dem SARS-COV-2 benannten Virus ausgelöst wurde. SARS steht hierbei für „schweres akutes Atemwegssyndrom (severe acute respiratory syndrome). Damit deutet der Name schon an, was genau dieses Virus verursacht. Der Vorgänger SARS-COV-1 zog im Jahre 2002/2003 durch die Welt. Aufgrund seiner geringeren Ansteckungsgefahr aber in deutlich schwächerem Ausmaß als die aktuelle Version. Weltweit starben daran 774 Menschen, in Deutschland kein Einziger bei nur 9 bestätigten Infizierten. Übrigens: Das Coronavirus ist nicht das einzige Virus, das zur Zeit grassiert. Auch das Influenzavirus ist parallel dazu aktiv. In der aktuellen Grippewelle zählt man 165.000 Erkrankte bei 265 Verstorbenen in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt hier zur Zeit in Sachsen und Sachsen-Anhalt, die Gebiete die anfangs vom Coronavirus am wenigsten betroffen waren. Zum Vergleich mit CoV-2: Stand 28. März 51.000 Infizierte bei 356 Toten, während in anderen Ländern die Todesfälle bereits die 1000er-Grenze überschritten haben. In Italien sogar über 10.000!

2. Das neue Virus im Vergleich zu seinem Vorgänger und der Influenza: Was genau ist denn überhaupt die Influenza? Die beiden Hauptgruppen des Influenzavirus A und B lösen die herkömmliche Grippe aus und treffen uns jedes Jahr aufs neue in immer wieder leicht mutierten Versionen. Die Influenza ist daher gut erforscht und auch berechenbar. Das Pharmawesen ist durch ihre Forschung immer auf Höhe der Zeit und dient rechtzeitig zur Grippewelle mit einem Impfmittel. Das Coronavirus dagegen traf uns aus heiterem Himmel. Es ist ein Virenstamm, der plötzlich (vermutlich zuerst in einer chinesischen Region; wie auch schon bei CoV-1 der Fall) aufgetreten ist und dort binnen kürzester Zeit eine Epidemie, bis hin zur aktuellen Pandemie auslöste. Hier läuft die Wissenschaft nun weitestgehend der Zeit hinterher. Man hat kein Impfmittel, man hat auch keine Heil- oder Therapiemittel. Aktuelle Tests müssen erst beweisen, ob bereits vorhandene Medikamente die gegen ähnliche Viren entwickelt wurden, wie eben auch seinem Vorgänger, Wirkung zeigen. Bis dahin therapiert man nur die Symptome und versucht Patienten über den Zeitraum hinweg, bis er eigene Körper das Virus selbst bekämpft hat, künstlich zu beatmen, weil es die eigene Lunge nicht mehr schafft, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Ein Todesurteil für jene, die an Vorerkrankungen leiden und deren Immunsystem bereits geschädigt ist. Vor allem bedroht das Virus daher unsere ältere Bevölkerungsschicht. Krank werden kann aber jeder. Und auch schon einzelne Todesnachrichten von jüngeren Menschen erreichen uns zur Zeit, ohne eine Vorerkrankung gehabt zu haben. Was aber noch schlimmer ist, als krank zu werden, ist, es übertragen zu können. Und das äußerst einfach. Während das Coronavirus 2002/2003 nur die Schleimhäute tief in der Lunge befiel und sich dort vermehrte, war das Ansteckungsrisiko bei Kontakt mit der befallenen Person recht niedrig. Der aktuelle Virus dagegen siedelt sich bereits im Mund- und Rachenraum an. Und genau das ist das Problem. Deshalb wird so explizit darauf verwiesen, sich regelmäßig und lange genug die Hände zu waschen, sich nicht ins Gesicht zu fassen und einen Mindestabstand zu anderen Personen zu halten. Das Virus kann durch Tröpfchen, als auch Schmieren übertragen werden. Eine einfache Stoffmaske hält das Virus übrigens nicht auf, sie hemmt nur die Menge, die man abgibt. Solche Masken sind tatsächlich in erster Linie nicht dafür da, sich als gesunder Mensch zu schützen, sondern als Kranker seine Mitmenschen weniger in die Gefahr einer Ansteckung zu bringen. Medizinisches Personal hat keine Angst sich bei einer OP vom Patienten was einzufangen, sondern selbst durch ein unbeabsichtigtes Niesen im Bereich des offenen Körpers Keime einzubringen, die schlimmstenfalls zu einer Infektion führen könnten.

3. Wie sieht es nun mit der Sterblichkeit aus? Die Influenza kostet doch auch jedes Jahr in Deutschland 20.000 Leute das Leben, ohne das man groß etwas dagegen unternimmt. Die Zahl habt ihr sicher auch schon oft gehört oder irgendwo gelesen. Wie ist die mit der unter 1. genannten aktuellen Zahl von 256 Toten vereinbar? Diese 20.000 sind nicht empirisch nachweisbar. Diese Zahl wurde vom Robert-Koch-Institut (deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten) als Schwarzziffer während der besonders schweren Grippewelle 2012/2013 genannt, ist aber nicht belegbar. Die mittlere Schwarzziffer pro Saison liegt bei 5000-8000, weil Verstorbene infolge einer Erkrankung nicht nach dem Influenzavirus getestet werden, bzw. die Todesursache oftmals nicht als Grippeinfarkt benannt wird, sondern z. B. Kreislaufversagen, welches aber faktisch von einer Grippe ausgelöst wurde. Tatsächlich belegt als Todesursache Influenzainfektion sind daher nur bis zu 200 pro Saison. Vertrauen wir aber den Einschätzungen des RKI, dann nehmen wir, auch im Sinne der Gegenüberstellung mit dem Coronavirus, in dessen Testung wir mit aktuell 200.000 Tests pro Woche Weltmeister sind, eine mittlere Influenzatotenzahl von 10.000 an (aktuelle Todeszahl in Italien in Folge Corona). Sieht man sich an, dass sich (ungeachtet der Impfgegner) viele Leute gegen Influenza impfen lassen, dann wäre die Sterblichkeit mit Sicherheit noch deutlich höher. Und genau das ist der Punkt. Gegen Corona kann man sich eben (noch) nicht impfen lassen. Und würde man es walten lassen, wie das Influenzavirus, ohne die einschneidenden Maßnahmen, die wir aktuell erleben (und wohlgemerkt ist es in Deutschland aufgrund der vergleichsmäßigen entspannten Lage noch sehr angenehm, sich penibel an den Maßnahmenkatalog zu halten; aber dazu später mehr), dann rechnet das RKI in Deutschland mit einer Sterblichkeit von über einer Million! Grippewellen hatten auch in Vergangenheit schon Sprengkraft: „Influenza-A-Virus H1N1“ 1918-1920 – 50 Mio. Tote. „Influenzavirus A/H2N2“ 1957/1958 – 1-2 Mio. Tote weltweit. „Influenzavirus A/H3N2 1968/1970“ – 1 Mio. Tote. „Influenzavirus A/H1N1“ 1977/1978 – 700.000 Tote. Anhand dieser weltweiten Zahlen von Verstorbenen dürfte klar sein, dass das Coronavirus deutlich mehr Leute in den Tod reißen würde (ob direkt oder indirekt, z. B. durch Mangelversorgung infolge Überlastung der Krankenhäuser, siehe Italien und Spanien), wenn wir nicht unsere Freiheit einschränken lassen. 10.000 vs. 1.000.000 Tote in Deutschland. Ein paar Wochen vorübergehende Freiheitsbeschränkung vs. endgültiger Tod von Eltern, Großeltern, Freunden. Wir müssen es schaffen, die Infektionswelle möglichst lange hinauszuzögern, bis wir einen Impfstoff und sicher anschlagende Therapiemittel haben. Würde uns die Welle jetzt mit voller Wucht treffen, wie Norditalien, müssten auch bald unsere Ärzte hier entscheiden, wem helfe ich, und wem helfe ich nicht, weil eine solche Menge an Infizierten nicht aufgenommen und beatmet werden kann. Manche Leute sehen dies aber noch nicht ein, da sie selbst (noch) nicht betroffen sind. Es ist zu weit von ihnen weg. Die Einschränkung der eigenen Freiheit betrifft sie dagegen unmittelbar spürbar jetzt in diesem Augenblick. Die eigene Erkrankung hingegen ist abstrakt, unsichtbar, ungewiss. Doch man beachte auch dies: Selbst wenn sich jemand nicht ansteckt, kann es dennoch tödlich für ihn oder ein Familienmitglied enden. Sind die Krankenhäuser nämlich mit Coronainfizierten überlastet, stehen auch keine Intensivbetten für andere Krankheiten und Unfälle zur Verfügung. Bin ich in einen häuslichen Unfall verwickelt oder stürzt mein Kind von der Treppe, kann ihm das Krankenhaus leider nicht helfen, weil sie keine Kapazitäten mehr für mein Kind haben. Erkrankt auch immer mehr medizinisches Personal selbst, können sogar keine Notoperationen mehr durchgeführt werden, die einem Menschen das Leben retten könnten.

4. Das hier hört man doch wirklich oft: „Dann werd ich halt krank. Ist doch nur gefährlich für die Alten und Kranken. Ich bin gesund. Ist doch nur ne Grippe.“ So gleichgültig ignorieren die Jugendlichen, und offenbar auch deren Eltern, die Ausgangsbeschränkungen. Haben die Eltern denn keine Macht oder irgendeinen Einfluss auf ihre Zöglinge und lassen sie ein- und ausgehen wie sie wollen, mit Freunden Partys feiern lassen. Oder haben sie selbst den Ernst der Lage nicht wirklich erfasst. Vielleicht sind sie auch froh, dass der Junior nach mehreren Wochen schulfrei mal das Haus verlässt und man selbst zur Ruhe kommt. „Denn mein Bub ist ja jung und gesund. Selbst wenn er sich ansteckt. Es ist ja nur ne Grippe. Das schwitzt er aus.“ Tut er das wirklich? Ohne schwerwiegende Behandlung in einem Krankenhaus? Ohne Folgeschäden? – Schauen wir kurz in die USA. Da hat ein Senator (selbst Risikoklientel aufgrund seines Alters natürlich) sagt in einem Interview, er unterstützt Trumps Aufruf an die Bevölkerung, weiter zu Arbeit zu gehen, damit die Wirtschaft nicht so leidet. Der Senator denkt an seine Enkel. Er riskiert liebe eine Ansteckung und seinen Tod, damit seine Enkel nicht ein einem wirtschaftlich zerstörten Staat aufwachsen müssten. Auch dieser Herr hat die Wirkungsweise des Virus noch nicht verstanden. Wenn er zugunsten seiner Enkel sterben will, dann soll er es bitte jetzt gleich machen, ohne darauf zu warten, sich anzustecken. Denn ist er mal infiziert, hilft er dem Virus dabei, ohne sich selbst die ersten Tage krank zu fühlen, sich zu verteilen und die Lage immer schlimmer zu machen. Wenn er dann erst stirbt, hat er bereits dutzende und hunderte und tausende weitere Opfer auf dem Gewissen und zerstört die Wirtschaft damit dennoch. Nochmal: In dem Moment, in dem man den Virus beim Kontakt mit einer infizierten Person einatmet, oder sich durch eine verunreinigte Türklinke auf seine Hand und kurz darauf durch Fassen ins Gesicht in den eigenen Körper bringt, ist man infiziert, zeigt aber noch keine Krankheitssymptome. Dazu muss sich der Virus erst im Körper vermehren und das geht recht schnell. Diesen Zeitraum nennt man Inkubationszeit und kann aktuellen Schätzungen zufolge im Schnitt 5-6 Tage dauern. Erst dann fühlt man sich krank, hat Symptome, lässt sich testen geht in häusliche Quarantäne bis das Ergebnis da ist. In der Zwischenzeit hat man aber selbst im Mittel bis zu drei weitere Personen infiziert. Diese wiederum je weitere drei und schon haben wir neun Infizierte. Diese stecken 27 an und diese 81, würde sich niemand an die Allgemeinverfügung halten, um dieses Schneeballsystem zu brechen. – Zurück nach Deutschland: Unsere Politiker sind sich größtenteils einig, dass die Wirtschaft nicht über ein Menschenleben gestellt werden dürfe. Die wirtschaftlichen Folgen werden sehr schwer sein, aber daran wird man die nächsten Jahre noch arbeiten können und müssen. Den Tod kann man später nicht mehr auffangen. Da bleibt nur noch die Trauer, wo bei uns aktuell noch die Hoffnung steht. Und der Wille, unser bestes zu geben, um dem Virus die Stirn zu bieten. Zumindest bemühen sich die meisten. Die wenigen Unvernünftigen sind nur Nutznießer der Entbehrungen der Mitläufergesellschaft. Und dabei schaue ich nicht nur die Jugendlichen an, die sich mit ihren Freunden treffen wollen, anstatt zu Hause zu hocken. Auch heute in einem Nachbardorf hatte jemand offenbar zum gemeinsamen Mittagessen, oder Grillen oder sonst einem Anlass geladen. Vier Autos in der Auffahrt, vier gleichaltrige Pärchen auf der Terrasse im engen Kreis. Alle gehörten dem Altersspektrum an, die die höchste Infiziertenrate repräsentiert. 35-59 jährige stellen 48% , also fast die Hälfte aller Infizierten dar! 15-34 jährige „nur“ 26%. Sie sind es, die das Virus vor allen anderen unters Volk bringen und gedeihen lassen. Auch gestern wieder Unmengen an Mitteilungen über Leute, die sich zum Saufen auf einem Parkplatz oder vor der Tanke treffen, Mütter mit Kindern auf dem Spielplatz, überwiegend aber Partys und treffen von Nachbarn und Freunden in der Wohnung. Es bleiben im Mittel verhältnismäßig wenige uneinsichtige Menschen mit Gottvertrauen, ohne auch nur ein Gebet die letzten 20 Jahre gesprochen zu haben. Aber sie sind das Glutnest, die das Virus noch unentdeckt in sich tragen können. Die kleine Flamme, die das Feuer am Leben hält. Und nur wenig reicht aus, es zu einem größeren Flächenbrand werden zu lassen, als wir ihn gerade erleben, der in anderen Ländern aber schon ganze Landstriche verkohlt hat.

5. Was machen denn die Vernünftigen unter uns? Kann einfach zu Hause rumsitzen wirklich was ändern? Einfach nichts tun? Hört sich doch eigentlich geil an. Für viele ist es das auch. Daher mag sich womöglich, auch mit Blick auf Italien und Spanien, der Großteil der deutschen Bevölkerung mit den deutlich lockereren Einschränkungen als in den Vergleichsländern auch so zustimmend abfinden. Die mit systemrelevanten Jobs dürfen sogar weiter zur Arbeit. Ein großer Teil eingeschränkt oder von zu Hause aus. Doch bleibt noch ein nicht unredlicher Teil der Gesellschaft ohne Arbeit und ohne oder mit geringerem Einkommen zu Hause. Besonders die Eigenständigen und Freiberufler trifft dies hart. Existenzängste oder gar bereits der bevorstehende Ruin lässt die freiwillige Quarantäne zu einer belastenden Zeit werden. In der Lage sein, für sein Einkommen etwas tun zu können, aber es nicht zu dürfen. Ich hoffe, dass die rasch geschnürten Hilfspakete nicht doch zu spät kommen, und sie tatsächlich jeden erreichen werden, um diese harte Zeit überbrücken zu können. Ich wünsche euch vor allem viel geistige Stärke, neben der eigenen körperlichen Gesundheit natürlich.

So, das erst mal zur Einleitung 😀 Ich habe noch mehr zu sagen. Spare es mir aber für ein, zwei weitere Blogeinträge auf. Insbesondere widme ich mich als nächstes den systemrelevanten Berufen, der Pharmaindustrie und dem Abschaum der Gesellschaft, der deutlicher als je zuvor ans Tageslicht tritt und sogar aus Winkeln schlüpft, die man niemals bei einer Person erwartet hätte. Ich möchte auch beleuchten, wie sich unsere Gesellschaft im Laufe der nächsten Monate der anhaltenden Krise entwickeln könnte und was wir vielleicht an dem Verständnis unserer eigenen Lebensweise entdecken. In wie weit können wir diese Krise vielleicht auch als Chance sehen?

Quellen:
N-TV Corona News-Ticker
Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts
Wikipedia
[https://www.aerzteblatt.de/archiv/170864/]
CNN
Fox News

#gehtwaehlen : Kurzvorstellung Europäische Union (EU)

Ich hatte eigentlich nie vor Beiträge mit politischem Inhalt zu posten. Da unsere Volksvertreter aber aktuell meinen, Kritiken der Wähler ignorieren und belächeln zu müssen (siehe Urheberrechtsreform), starte ich eine kleine Kampagne in Hinblick auf die anstehende Europawahl Ende Mai.

Viele wissen sicher nicht, wie die EU aufgebaut ist und wie sich die Wahl tatsächlich auswirkt. Ich wusste es auch nicht und hab mich nun damit befasst. Ich erwecke meinen angestaubten Blog zu neuem Leben und poste meine Erkenntnisse möglichst simpel, knapp und neutral. Ich möchte damit mein möglichstes tun, um Leute zum Wählen zu animieren.

Und los geht’s:

Die Europäische Union (EU) ist ein Verbund von derzeit 28 Mitgliedstaaten.
Im Europäischen Rat und im Rat der Europäischen Union sind die einzelnen Staaten mit ihren Regierungen vertreten. Die EU-Kommission als Exekutivorgan und der EU-Gerichtshof als Rechtsprechungsinstanz sind ebenfalls überstaatliche Einrichtungen.
Dagegen repräsentiert das Europäische Parlament bei der Rechtsetzung der EU unmittelbar die Unionsbürger. Nur dieses Gremium kann direkt von den Bürgern gewählt werden. Und dies alle fünf Jahre, das nächste Mal vom 23.- 26. Mai 2019.

Und genau dieses hat vor wenigen Tagen die neue Urheberrecht-Richtlinie mit 348 zu 274 Stimmen angenommen.
Anhand solcher Richtlinien MÜSSEN alle Mitgliedstaaten die Inhalte in eigene nationale Gesetze umsetzen.
Doch wie entsteht solche eine Richtlinie?

Die Rechtsetzung durchläuft die Gremien Kommission, Parlament und Rat.

Die Kommission ist die Regierung. Jeder Mitgliedstaat stellt einen Vertreter als Kommissar. Neben anderen Aufgaben unterbreitet sie dem Parlament und dem Rat Vorschläge für Rechtsvorschriften. Manfred Weber (CSU, Vorsitzender der EVP – Europäische Volkspartei) tritt hier als vielversprechender Präsidentschafts-Kandidat an. Aktuell Jean-Claude Juncker (EVP). Günther Oettinger (CDU), der aktuell mit harten Konsequenzen droht, wenn die Mitgliedstaaten die neue Richtlinie nicht konsequent und rasch umsetzen, ist Teil der Kommission.

Das Europäische Parlament ist die erste Instanz der Legislative, ist also als Gesetzgeber tätig. Es ist in der Rechtsgebung dem Rat als erste Instanz vorgelagert ist. In der Regel wird der Rat daher den Entscheidungen des Parlaments zustimmen. Das Parlament bestimmt auch die Kommissions-Mitglieder und überwacht alle EU-Organe. Außerdem wählt es nach seiner Wahl durch die Bürger den neuen Kommissionspräsidenten.
Das Parlament setzt sich aus den von uns gewählten Abgeordneten zusammen, die sich anhand ihrer politischen Gesinnung in derzeit acht Fraktionen gruppieren. Die stärkste Fraktion ist mit 217 von 751 Abgeordneten die christdemokratisch-konservative EVP. Gefolgt mit 187 Abgeordneten von der sozialdemokratischen S&D. Axel Voss (CDU, EVP), der stärkste Befürworter der Urheberrecht-Richtlinie ist Abgeordneter des Parlaments, Koordinator und rechtspolitischer Sprecher der EVP.

Der Rat der Europäischen Union ist die zweite Instanz der Legislative und muss den Entscheidungen des Parlaments zustimmen. Er setzt sich aus Ministern der Mitgliedsländer zusammen. (Nur zur Abtrennung: Der Europäische Rat ist ein Gipfeltreffen der Regierungschefs der Mitgliedstaaten, gibt Impulse und legt allgemeine Ziele und Prioritäten fest).
Das heißt, dass aktuell, in der anstehenden Entscheidung des Rats am 15. April durch ein Veto der deutschen Minister die Reform noch gekippt werden könnte. Dafür müsste sich aber die gesamte deutsche Regierung (oder die eines anderen größeren EU-Staates) einig sein. Dies ist aber äußerst unwahrscheinlich.
Die EU-Parlamentswahl Ende Mai 2019

Übersicht über die EU-Fraktionszugehörigkeiten deutscher Parteien im EU-Parlament:
EVP (Christdemokraten, Konservative): CDU (29 Mitglieder), CSU (5 Mitglieder); insgesamt 217
S&D (Sozialisten, Sozialdemokraten): SPD (27 Mitglieder); insgesamt 187
EKR (Konservative, EU-Skeptiker): LKR (AfD-Ableger, 1 Mitglied), Bündnis (Bibeltreue Christen, 1 Mitglied); insgesamt 75
ALDE (Liberale, Zentristen): FDP (3 Mitglieder), Freie Wähler (1 Mitglied); insgesamt 68
Grüne/EFA (Grüne, Regionalisten): Grüne (11 Mitglieder), Piratenpartei (1 Mitglied), ÖDP (1 Mitglied); insgesamt 52
GUE-NGL (Linke, Kommunisten, Linkssozialisten): ; insgesamt 52
EFDD (EU-Skeptiker, Populisten): AfD (1 Mitglied); insgesamt 41
ENF (Rechtspopulisten, Rechtsextreme): Blaue (AfD-Ableger, 1 Mitglied); insgesamt 37
Fraktionslos: NPD (1 Mitglied), Die Partei (Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative ist eine 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründete deutsche Kleinpartei, 1 Mitglied); insgesamt 22

Quelle: Wikipedia

Vorschläge von Julia Reda, welche Parteien zur EU-Wahl gewählt werden sollten, wenn man gegen die EU-Urheberrechtsreform war:
Die Linke, Die Grünen, FDP, Die Partei
Definitiv nicht: Piraten, AfD

Quelle: Twitter

Meine Two Cents zum Artikel 13

Hab jetzt schon ein paar Videos von namhaften Youtubern gesehen, die gegen den Artikel 13 aufrufen und dazu irres Halbwissen und falsche Vorstellungen verbreiten.

Ich hab mich mit dem originalen Gesetzestext auseinandergesetzt, und hier ist, was tatsächlich drin steht:

Artikel 13 richtet sich nach der Definition aus Artikel 2 ausschließlich an die Betreiber von Onlineplattformen, deren Hauptnutzen darin besteht, große Mengen an urheberrechtsgeschützten (an sich ist alles, was jemand macht urheberrechtsgeschützt, also auch wenn ich mich beim Zähneputzen filme) Inhalten der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, die von ihren Nutzern hochgeladen wurden. Der Betreiber organisiert und bewirbt diese Inhalte zum Zwecke des (eigenen) Profits. Dazu gehört z.B. Youtube. Ob Twitter oder Instagram auch dazu gehören (weil richtig organisieren und bewerben tun die Beiträge ja nicht)?

Nicht gemeint sind auf jeden Fall nicht-profitorientierte Plattformen (wie Enzyklopädien oder Wissenschaftsdatenbanken), Marktplätze oder Cloud-Dienste (sofern nur firmenbezogen oder privat nutzbar).

Laut Absatz 1 sollen diese „online content sharing service provider“ dazu verpflichtet werden:

Für alle hochgeladenen Inhalte die Freigabe durch die Rechteinhaber zu erzielen, z.B. durch Lizenzvereinbarungen – mit anderen Worten mit ihm auszuhandeln, unter welchen Konditionen seine Inhalte online gestellt werden dürfen (nicht mit dem Uploader selbst, der u.U. Alleiniger Rechteinhaber ist – weil er einen eigenen Film dreht oder einen eigenen Song singt und hochlädt – sondern mit demjenigen, dessen Werk oder Auszüge daraus durch einen Dritten verwendet und hochgeladen werden, z.B. Hintergrundmusik, Filmausschnitte, einen fremden Song singen, …). Wie das zu bewerkstelligen sein soll, steht noch nirgends.

Laut Absatz 2 soll der Betreiber, sollte er Lizenzvereinbarungen mit einem Rechteinhaber geschlossen haben, sicherstellen, dass diese auch die Handlungen ihrer Nutzer beinhalten, wenn diese nicht auf einer kommerziellen Basis veröffentlichen oder zumindest keine merklichen Einnahmen erzielen.

Hier kommt die Frage auf, was ist mit den Nutzern, die profitorientiert veröffentlichen? Sind diese schon in der ursprünglichen Vereinbarung enthalten und es wird hier nur noch explizit auf die Non-Profit Nutzer aufmerksam gemacht? In den folgenden Absätzen wird nämlich nicht weiter auf diese Trennung eingegangen. Somit gilt alles weitere sowohl für Profit, als auch Non-Profit Nutzer.

Wird keine Freigabe durch den Rechteinhaber erteilt, ist der Betreiber laut Absatz 4 haftbar für den Rechtsverstoß, sofern der Betreiber nicht nachweisen kann, dass er a) größtmögliche Bemühungen unternommen hat, um die Freigabe zu erzielen.

b) Wenn der Rechteinhaber vorab dem Portal mitgeteilt hat, dass er sein Werk nicht von Dritten hochgeladen haben will. Dann muss ein „Onlinefilter“ diese Inhalte bereits beim Upload an der Veröffentlichung hindern (Kinofilme, Musikvideos, Musik, Streamen eines bestimmten Spiels, …).

Ist ja wohl fair, oder? Youtube betreibt einen solchen Filter übrigens bereits in Deutschland nach geltendem nationalem Recht.

c) Wenn der Rechteinhaber das Portal explizit auf bestimmte Inhalte hinweist, muss das Portal diese entfernen und Sorge tragen, dass dieser Inhalt nicht erneut hochgeladen werden kann (Verweis auf b))

Nach Absatz 4a:

Bei der Feststellung, ob der Betreiber seinen Verpflichtungen aus Absatz 4 nachgekommen ist, und unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit sollte unter anderem berücksichtigt werden:

a) die Art, die Zielgruppe und die Größe des Dienstes sowie die Art der Werke oder sonstigen Inhalte, die von den Nutzern hochgeladen werden

b) die Verfügbarkeit geeigneter und wirksamer Mittel und deren Kosten für Diensteanbieter

Ausnahmen:

  • Von Punkt 4 Punkt b) sind kleinere Portale und Start-Up-Portale ausgenommen. Also nur die großen Player mit einem eigenen Jahresumsatz von über 10 Mio. Euro müssen einen Uploadfilter betreiben (Youtube z.B. Betreibt einen solchen bereits in Deutschland). Unter den 10 Mio Euro gilt nur Punkt a) mit den Lizenzbemühungen und c) zum Löschen von vom Rechteinhaber gemeldeten Inhalten. Bei 5 Mio Nutzer pro Monat zusätzlich die Verhinderung des erneuten Hochladens (Absatz 4aa)
  • Generell von der Prüfung ausgenommen und uneingeschränkt MÜSSEN Inhalte sein, die nicht gegen das Urheberrecht oder andere Rechte verstoßen, oder für die folgende Ausnahmen gelten (Absatz 5):
    • 1. Zitate, Kritiken, Reviews (z.B. Kinofilmreviews, Gamekritiken, …). Ob hier auch Let’s Plays darunter fallen?
    • 2. Die zum Zwecke der Karikatur, Parodie oder Pastiche (Nachstellungen, als Hommage oder Satire; hier würde ich z.B. Cosplay, Fanart, Memes, … hinzuzählen) verwendet werden

Absatz 7 betont: „Die Anwendung der Bestimmungen dieses Artikels führt zu keiner allgemeinen Überwachungspflicht.“

An sich doch recht vernünftig so ein Gesetz.

-> Unrechtmäßige Verwendung von Inhalten, die jemand anderem gehören, soll das Portal nun zumindest versuchen zu vergüten, wenn schon das Portal und der Uploader daran Geld verdienen.

Jeder der also uneingeschränkt gegen den Artikel 13 schimpft und diesen bekämpft, verteidigt somit die unrechtmäßige Verwendung von Inhalten. Dass andere Leute durch Verwendung fremdem Materials Geld verdienen, ohne den Schöpfer dafür zu „entschädigen“ oder beteiligen.

Das alles hat nichts mit Zensur zu tun. Eher das Gegenteil ist der Fall: Das Portal soll nicht stur Inhalte blocken, sondern sich darum bemühen, die Veröffentlichung legal zu machen (sofern sie es nicht schon ist). Das Portal ist nun dazu verpflichtet worden, zu prüfen, ob man für Uploads seiner Nutzer z.B. Lizenzgebühren an einen Dritten, nämlich den ursprünglichen Rechteinhaber abführen muss (nicht der Nutzer soll Gebühren abtreten, sondern das Portal!).

Klar ist aber auch jedem, dass es nur möglich sein wird, mit Unternehmen oder bedeutenden Einzelpersonen solche Einigungen erzielen zu können, weil nur mit diesen unkompliziert in Kontakt getreten werden kann. Durch den ganzen Prozess sollen ja immerhin keine personenbezogenen Daten erhoben werden und damit lässt sich bei nicht masseträchtigen Quellen nie der Ursprung herausfinden. Somit profitieren vor allem größere Verlage und Unternehmen. Beim kleinen Gedichteschreiber wird sich vermutlich niemals jemand melden, dass ein Youtuber eins seiner Sonette von seinem 200 Follower Blog im Livestream vor 10.000 Zuschauern vorgetragen hat.

Dass der Artikel 13 aber dennoch Diskussionspunkte offen lässt, steht außer Frage. Der Absatz 9 sieht dafür auch noch Gespräche bis zur Einführung zwischen der Kommission und den Mitgliedstaaten vor. Einfließen sollen hierbei die Meinungen der Portale, Rechteinhaber (welche genau?), Nutzervertretungen(?) und andere relevante Interessengruppen. Berücksichtigt werden soll auf jeden Fall das Gleichgewicht zwischen den grundlegenden Gesetzen und Ausnahmen/Abgrenzungen.

Völlig unklar ist bislang, wie solche Bemühungen zu Lizenzvereinbarungen aussehen sollen und bis zu welchem Zeitpunkt diese geschehen sein müssen (vor dem Upload, bis spätestens zwei Wochen nach dem Upload?).

Auch wie die Portale es schaffen sollen einzustufen, ob die Ausnahme für Inhalte greift, die als Hommage verwendet werden (z.B. Wenn ich mit Freunden den gesamten Herr der Ringe Film nachstelle).

Für solche Problemfälle soll das jeweilige Portal übrigens einen Customer-Support zur Verfügung stellen, wo man dann bei ungerechtfertigten Blockungen eine Diskussion anstoßen kann.

Unklar ist auch, ob die ganze Prüfung nur für neue Inhalte gelten soll, oder auch bereits schon bestehende.

Dies alles ist meine eigene Interpretation, meine eigene Meinung zu dem Thema, nachdem ich mir auch schon aktuelle Rechtsmeinungen von Anwälten dazu angesehen habe.

Veröffentlichung meines ersten Buchprojektes

Vielleicht ist es doch auch mal einen Blogeintrag wert, dass ich Ende Juli 2014 als Self-Publisher einen ebook-Fortsetzungsroman auf den Weg brachte 😉

Seit kurzem ist der zweite Teil überall erhältlich.

Anbei mal zwei Links zu dem wohl bekanntesten Vertriebspartner:

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